Meine eigene Diagnose Diabetes Typ 2

Hi, ich bin Jürgen Salzmann, Diplom-Psychologe und ehemaliger Typ 2 Diabetiker.

Ich habe die Diagnose Diabetes im Jahre 2005 erhalten, vor 12 Jahren. Damals erlebte ich schon für längere Zeit eine extrem stressige Lebensphase. Der Diabetes kam da noch oben drauf und machte das Maß voll.

Mein Vater war Arzt – trotzdem starb er an Typ 2 Diabetes

Die Diagnose war ein Schock für mich, auch deshalb, weil schon mein Vater an Diabetes gestorben war. Er war Arzt gewesen und wusste alles über die Krankheit und ihre Langzeitwirkungen. Doch das Wissen um den richtigen Lebensstil, die richtige Ernährung, hat ihn nicht gerettet. Er ist trotzdem daran gestorben.

Bevor er starb, starb sein Bein – ich fuhr ihn ins Krankenhaus, wenn er Schmerzen am Beinstumpf hatte. Sein Bein wurde Stück für Stück amputiert. Er hatte auch andere, bekannte Folgeschäden.

Er hat das alles in Kauf genommen, NUR um sich nicht ändern zu müssen, selbst seinen grausamen Tod.

Könnte ich noch einmal mit ihm reden, würde ich vielleicht merken, dass er das gar nicht wusste, wie das geht: „sich ändern“.

Ich bin sein Sohn und Psychologe. Als ich die Diagnose 2005 erhielt, sagte der Arzt damals trocken:

 

„Sie sind Diabetiker, damit müssen Sie jetzt leben.“

Ich stand unter Schock – ab jetzt hatte ich einen neuen Lebensbegleiter, den Tod auf Raten – wie mein Vater. Mich ergriff Angst, das wollte ich nicht. Ich beschloss: Ich würde diese Welt mit gesunden Beinen verlassen. Ich wollte einen Weg finden, mit dem Diabetes zu leben, ohne dass er mich zerstört und umbringt.

Anfangs wurde Diabetes zum beherrschenden Thema. Ich war fixiert auf Kontrolle, messen, messen, messen. Ich nahm Medikamente, Metformin. Ich stellte die Ernährung auf „vollwertig“ um, verzichtete auf Zucker. Ich ging ich auf die Suche nach alternativen Heilmethoden, probierte Rezepte aus, las Ratgeber. Nach sechs Monaten hatte ich normale Werte, ich setzte Metformin ab. Doch der Preis war hoch, die Krankheit beherrschte mich total. Diabetes war mein Dauerthema und wurde zum Gefängnis. So ging das nicht weiter.

Auch sonst konnte das nicht wirklich die Lösung sein, denn die Umstellung war nicht so einfach. Ich war weiter Rückfall-gefährdet. Die stetige Selbst-Kontrolle nervte und Chips, Müsli, Süßigkeiten, Backwaren – habe ich weiter geliebt.

Ich erkannte: Ich bewege mich in derselben Logik wie mein Vater. Was für ihn die Medikamente waren, waren für mich das ständige Messen und die neuen Heilmittel. Solange ich davon abhängig war, versuchte ich nur, die Verantwortung abzugeben. Und – der Dauerkrieg mit dem Diabetes war auch nicht gut oder förderlich für mich.

Wie es weiterging? Als Psychologe ging ich endlich auf die Sinnsuche. Was will mir der Diabetes überhaupt mitteilen? Ich gelangte zur Erkenntnis: Ich musste meine Einstellung zur Krankheit ändern, den Diabetes als Mentor, als Wegweiser und Lehrer anerkennen, der mich in ein besseres Leben führt. Ich musste den Mangel erkennen, der zu ihm geführt hat, ihn ausgleichen, meine innere Balance wiederfinden. Und das tat ich dann auch.

Das Ergebnis nach 12 Jahren seit der Diagnose? Ich habe es geschafft. Der Diabetes ist im Hintergrund, ich lasse alle drei Monate meine Blutwerte messen – sie sind immer gut. Ich konnte Lebensstil und die Ernährung dauerhaft erfolgreich ändern – ich kann mir „Ausreißer“ leisten, ohne sie zu bereuen.